Farbe und Lernen
Welche Einflüsse nehmen Farben auf das Verhalten bzw. Lernverhalten von Menschen?
1. Der Mensch benötigt zum Lernen u. a. die Grundnahrungsmittel Luft, Licht und Wasser.
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Seit jeher beschäftigen sich Wissenschaftler und Künstler mit dem Phänomen Farbe. Johann Wolfgang Goethe z. B., der in seinem grandiosen Kompendium zur physiologischen Wirkung der Farben vieles vorweggenommen hat, was auch unsere moderne Wissenschaft nicht besser konnte.Es ist historisch hochinteressant, dass zur Jahrhundertwende die großen Künstler van Gogh und Cézanne die Kraft der Farbe in der Kunst und im Leben praktisch und theoretisch freisetzen. Zur gleichen Zeit hat der dänische Arzt und Psychologe, Niels Ryberg Finsen, das Farblicht als medizinisch hilfreiches Mittel entdeckt, was der schwedischen Akademie 1903 einen Nobelpreis für Medizin wert war.
Harald Brost, Professor für Kunst- und Kulturgeschichte und Theorie in Frankfurt/Main und Mainz, hat Forschungen zur Farbtheorie und Physiologie der Farben betrieben. Er stellt fest, dass sich der Mensch in einem permanenten Kreislauf befindet, in dem die Phasen „ungesättigt – gesättigt“ in Bezug auf die Energieaufnahme durch Farbe evident ist. Wörtlich sagt Brost: „Diese Ambivalenz des Farberlebens bedeutet, dass wir zu keinem Zeitpunkt angenagelt stehen. Jede Unterbrechung, Überforderung oder gar ein Abbruch eines solchen Kreislaufs verursacht Defizite, d. h. „Schlaglöcher“ in unserer Seele; aus psychischen Belastungen wachsen bei Nachhaltigkeit die organischen Erkrankungen“.
Konkret bedeutet dies, dass jeder Mensch zu jeder Zeit Bedarf an Farbe hat. Jedoch wählt er unbedacht und instinktiv immer die Farbe aus, die er auf Grund seines physischen Zustandes am meisten benötigt.
Bei einer empirischen Erhebung haben wir* folgende Erkenntnis gewonnen:
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* Rudi Neuland Unternehmensberatung
Nach ca. 60 Seminartagen konnten wir feststellen, dass die sechs ausgelegten Farben in folgender Priorität gewählt wurden:
- orange
- gelb
- blau
- rot
- grün
- violett
Die Seminare fanden im Laufe von drei Jahren statt und alle Jahreszeiten waren beteiligt. Bei allen Experimenten gab es keine einzige Verweigerung – alle Teilnehmer wählten spontan und motiviert die Farbtafeln aus.
Die Seminarteilnehmer konnten keine rationalen Begründungen, außer: ich mag die Farbe, die Farbe gefällt mir etc., geben. Das Thema „Lieblingsfarbe“ spielte hin und wieder eine Rolle, war aber in der Regel nicht ausschlaggebend für die Farbwahl.
Manche Teilnehmer waren so stark auf die ausgewählte Farbe fixiert, dass sie die Farbtafel mit auf ihr Zimmer genommen oder mit nach Hause genommen haben.
Das Experiment bestätigt die Aussage von Prof. Brost dahingehend, dass es nicht die spezifische Farbe für lernende Menschen gibt sondern dass die genannten Spektralfarben vorhanden sein müssen.
GELB bedeutet unser geistiges Suchen nach der IDEE, nach dem NEUEN.
Es ist unser Heureka, „ich hab es“, die Inspiration, die Eingebung, der innovative Schub, die Lust auf das Neue, der Wunsch nach Veränderung, der Appetit auf Unbekanntes.
GELB ist wie eine glückliche Eingebung, ein goldener Gedankenblitz, die glänzende Idee; das Glänzende erscheint gleichgesetzt mit Gold.
GELB ist die entscheidende Bedingung der geistigen Entwicklung der Menschen geworden.
GELB ist die Bewusstseinsqualität zwischen Blau und Rot.
GELB kann der tiefe Grund des Denkens sein; es können aber auch unsere Absichten und Pläne, unsere unterbewussten Wünsche und Träume im GELB eingebunden sein.
GELB kann aber auch das trügerische Luftschloss bedeuten.
ORANGE bedeutet AUFBRUCH und ANFANG. Orange verkörpert die heißeste Farbe, die glühende Sommerhitze - „aller Anfang ist schwer“.
ORANGE versteht sich bildhaft als die Lokomotive oder Walze, die sich mit aller Kraft in Bewegung setzt.
ORANGE erleben wir als kurzzeitiges, plötzliches Glühen oder Explodieren.
ORANGE enthält in sich stets ein Stück vom „Super-Nova-Effekt“.
Die Wahl für ORANGE bedeutet das kraftvolle Beginnen, die Konzentration aller Mittel auf den Start, das Wagnis und den Mut, über sich hinauszuwachsen; die Überwindung des gefürchteten “point of return“.
ROT bedeutet die Lust auf BEWEGUNG. Der Wunsch nach ROT paart sich mit Gedanken, das anzupacken, was schon längst im Kopf vorbereitet wurde.
Wir verstehen das ROT in Bildern – wie: die tägliche Arbeit oder der reizvolle Tanz, die körperliche Erregung, der Sex oder die aktive Liebe; wir empfinden das wärmende Feuer oder die lebendige Schönheit eines Menschen.
ROT umschließt auch den kämpferischen Sport und die blutige Gewalt.
Beim Wunsch auf ROT erwarten wir von uns selbst und unserem Körper die schmerzfreie Dynamik und lustvolle Bewegungen.
Wir wollen im reizvollen Tun kein Ende finden.
Selbst der Stress als Grenzüberschreitung im ROT bedeutet noch kein Haltesignal.
ROT sucht nach Tätigkeiten, die man gern tut.
Selbst gewollte, kraftvolle Anstrengungen erscheinen als Spaß oder Lust.
Wer sich für ROT entscheidet, hat einen Heißhunger auf Wärme; Sie wollen den interaktiven Dialog mit Gleichgesinnten.
BLAU bedeutet Sehnsucht nach RUHE. Es ist Ihr tiefer Wunsch nach Erholung, nach Entspannung, nach einem kürzeren oder längeren Urlaub.
Sie brauchen Zeit zum Nachdenken, Sie benötigen das innere Abkühlen.
Sie haben große innere oder äußere Anstrengungen hinter sich und sehnen sich nach einer Phase der Ruhe, die leiser und stiller wird; Sie suchen im allgemeinen Trubel dieser Welt einen schattige Ort, der Zurückgezogenheit und Neutralität verschafft.
Der Wunsch nach dem BLAUEN Himmel, dem BLAUEN Wasser und der BLAUEN Tiefe bedeutet für Sie auch zeitweiliges Alleinsein – eine Pause, einen Ort, eine ungestörte Situation des Mit-sich-allein-Sein.
GRÜN bedeutet HOFFNUNG und ERWARTUNG. GRÜN erleben wir gleichsam als gefesselte Spannung, als eine Hoffnung auf den besseren Wiederbeginn.
GRÜN ist das unsichtbare und doch kraftvolle Wachsen der Natur; für den Menschen bedeutet es das Warten ohne klare Bestimmung, die Gefühle der Ungewissheit und Zurückhaltung, ein genießendes Beobachten aus der Distanz, eine sensible Lust ohne Absicht.
Ein besonderer Farbpunkt ist das Lindgrün oder Gelbgrün, jener Punkt, an dem der kalten Farbkreis in den warmen Farbkreis übergeht; dies ist die Farbe der ersten Knospen im Frühling, dies empfindet der Kranke als ersten Schritt nach längerem Aufenthalt im Bett.
GRÜN empfinden wir als behutsames Abwarten; ein geduldiges Reifen der Gefühle.
Im GRÜN zügeln wir alle Ungeduld; wir gehen mit Fingerspitzen zu Werke.
Im Hoffen erwarten wir gesicherte Klarheit. Voreiliges Tun macht nie einen Sinn.
VIOLETT bedeutet ZWEIFEL und ZERRISSENHEIT. Violett bedeutet in erster Linie eine Schwäche des Immunsystems.
Im VIOLETT erfahren wir eine Zerrissenheit zwischen Weiter-machen-Wollen und nicht Weiter-machen-Können.
Das aufregende Tun im Rot hat sich erschöpft und die Belastungsgrenze des Organismus überschritten; die Ruhe für das Blau wurde jedoch noch nicht erreicht.
Im VIOLETT treten Schwankungen und Zweifel auf; wir fühlen uns unsicher und geschwächt.
Wer im VIOLETT seine Wahl gefunden hat, erlebt ein Wechselbad seiner Gefühle.
Das VIOLETT signalisiert auch unüberbrückbare Grenzen zwischen Randgruppen und der Gesellschaft; wir stoßen auf eine Irrationalität von Diesseits und Jenseits, die deshalb auch als Farbe der Magie fungiert, als Zauber oder auch als „letzter“ Versuch diffamiert wurde.
Im extremen Zustand reift hilflose Sucht, wird Amok gelaufen, wächst Verzweiflungswut.
Der Mensch fühlt sich als wirbelloses Wesen, nicht Fisch noch Fleisch.
Im VIOLETTEN Bereich gibt es ebenfalls einen interessanten Farbpunkt des Übergangs vom Warm- zum Kaltbereich – das PINK. Es ist die Farbe des Weiternachens, des Trotz-alledem.
2. Welche Erkenntnis ziehen wir bei der farblichen Gestaltung von Lernräumen aus den vorgenannten Untersuchungen und Aussagen von Farbexperten.
Zunächst gelten folgende Kernaussagen:
Lernräume sollten tendenziell hell und freundlich gestaltet sein. Freundlich bezieht sich auf Farben zwischen einem warmen Weiß bis zu hellen Beige- oder Gelb-Tönen.
Pastell-Farben haben eine destruktive Wirkung auf den Betrachter (Vergleich Goethe’s Farbenlehre und sind als Grundanstrich nicht zu empfehlen.
Stark gesättigte Gelb-Töne in großen Mengen und ohne Komplementärausgleich bewirken oft Augenstress und sind somit auch problematisch.
Modefarben wie z. B. violett, lila etc. in größeren Mengen (Vorhänge, Fußböden. Polsterstoffe etc.) sind ebenso problematisch wie Knallfarben (stark gesättigte, intensive Farben) jeder Couleur.
Fußböden sollten nie heller sein als die Farben die darüber liegen, sie wirken sonst halt- und orientierungslos.
Die Aussage „Lernräume sollten monoton und so schlicht gestaltet sein, das nichts den Lernenden ablenken könne“, ist falsch und irreführend. Der Mensch in der Natur oder in sakralen Bauwerken fühlt sich weder abgelenkt noch unkonzentriert.
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3. Wie kann der Trainer den Lernprozess mittels Farbe befördern?
Nachdem wir wissen, dass Farben den menschlichen Mechanismus physisch und psychisch beeinflussen, stellen wir uns folgende Situationen und Anwendungsfelder vor.
A Lernpozessbeeinflussung durch Farbe
- Kreative Prozesse (Brainstorming etc.) verstärken wir durch die Farbe GELB
- Entspannungs-Übungen umgibt die Farbe BLAU
- Eine aufgewühlte Gruppe gilt es zu beruhigen – hier hilft die Farbe GRÜN
- Das kraftvolle Beginnen eines Seminars, die Konzentration aller Mittel auf den Start unterstützt die Farbe ORANGE
- Lust auf Bewegung und den interaktiven Dialog mit Gleichgesinnten befördert die Farbe ROT
- VIOLETT bedeutet Zweifel und Zerrissenheit, alles in Frage stellen, und dennoch ist es die Farbe des Weitermachens, des Trotzt-alledem.
B Farben und Jahreszeiten
Es ist kein Geheimnis, dass sich Menschen während und nach einer dunklen/kalten Jahreszeit nach warmen Farben sehnen.
Die Farben des Feuers sind orange und zinnoberrot, die Farben der Sonne sind weißgelb im Zenit und rotorange bei Sonnenauf- und –untergang. Goethe unterscheidet die Farben in „warme Farben“ und „kalte Farben“ und belässt dieses Phänomen nicht bei der Theorie. Warme Farben wärmen uns innerlich auf und kalte Farben, z. B. eisblau, lassen uns innerlich frieren.
Die Erkenntnis führt zum Handeln:
In kalten und sonnenarmen Jahreszeiten ist die wärmende Sonne im Raum eine entsprechende Farbkulisse oder ein Bild mit diesen Farben. In der sommerliche Hitze kühlen kalte Farben auch durch entsprechende Farbkulissen, Bilder oder Skulpturen.
C Biorhythmus und Lernen
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Morgens erhöht blau den Blutdruck in sanfter Weise und fördert die Konzentration Dann Grün am Vormittag; die Farbe der Mitte und Natur wirkt ausgleichend und assoziiert neues Leben. Am späten Vormittag erschein Gelb und steigert sich zum Mittag in Orange; beide Farben wirken anregend, kommunikationsfördernd, freundlich und warm. Nach dem Mittagessen erreicht der Mensch sein biologisches Tief. Die Farbe Rot, die jetzt erstrahlt, erhöht den Blutdruck und beschleunigt den Puls. Am Nachmittag, das Tief ist überwunden, wechseln die Farben von Orange zum abgeschwächten Gelb. Gelb wird als freundlich, leicht und heiter empfunden, es charakterisiert die intellektuelle Kraft und das weise Denken. Gegen Abend macht sich eine Konzentrationsschwäche bemerkbar. Hier wirkt Rot anregend und stimuliert, gemäß der Tageszeit, in der die untergehende Sonne die Natur in ein warmes Licht taucht.
Quellen und Equipment
Aufsätze:
Institut für Farbe - Licht und Raum
Prof. Dr. Dr. Harald Brost
Auf dem Loh 38
555606 Kirn
Telefon +49 6752 5588 oder 8316
Neuland & Partner Training und Unternehmensentwicklung
Michéle Neuland
Von-Schildeck-Straße 12
36043 Fulda
Telefon +49 661 93414-0, Fax -20
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