Komplexes Wohlbefinden

Subjektives Wohlbefinden ist abhängig von der Qualität der Beziehung eines Individuums zu seiner Umgebung. Es stellt eine komplexe Funktion von positiven und negativen Bedingungen dar, die relativ unabhängig voneinander wirksam sind. Ereignisse, die ein einzelner Mensch im täglichen Leben erfährt und bewältigt, haben signifikanten Einfluss auf das Wohlbefinden.

Der Begriff Wohlfühlen oder Wohlbefinden ist in den letzten Jahren geradezu zum Kultbegriff geworden. In der Tagungshotellerie boomt es geradezu von Wohlfühlhotels aber auch in den allabendlichen Werbespots scheint dieser Begriff den Nerv der Zeit getroffen zu haben.

Ich behaupte keinesfalls, den Begriff Wohlfühlen in Bezug auf die Qualität von Tagungshotels erfunden zu haben – dazu ist das Wort Wohlfühlen zu bekannt und im Alttag allgegenwärtig – dennoch habe ich vor zehn Jahren in einem Essay den Begriff „Wohlbefinden in Tagungshotels“ ausführlich beschrieben und nachhaltig verankert. Drei Jahre später brachte ich unter dem Titel „Ausgewählte Tagungshotels zum Wohlfühlen“ einen Tagungsstättenführer heraus, der die Branche in einen Wettbewerb brachte, den niemand voraussehen konnte. Da das von mir gemeinte Wohlbefinden offensichtlich falsch interpretiert und allzu leichtfertig in den Werbetext von vielen Tagungshäusern genommen wird, will ich versuchen, den Begriff „Wohlfühlen“ aus der Subjektivität herauszunehmen und ihn mit objektiven Qualitätskriterien greifbar zu machen.

Warum ist das Gefühl der Wohlbefindlichkeit in Bezug auf Lernprozesse so wichtig? Warum sollen sich Teilnehmer und Prozessgestalter in einem Tagungshotel wohlfühlen? Die gleiche Frage könnte man sich übrigens in jedem Unternehmen, in jeder Familie und sozialen Gruppe stellen. In Unternehmen sprechen wir von Unternehmenskultur und meinen u. a. exakt das Gleiche. Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, sollen motiviert und selbstverantwortlich handeln und entscheiden. Nur dazu bedarf es eines Klimas und ethischen Bedingungen, die nicht automatisch vorhanden sind, nur weil man sie auf Glanzpapier druckt.


Die Wissenschaftler Green und Noice stellten 1988 in einer Studie fest, dass eine positive Stimmung kreativitätssteigernd ist. Genau dies ist der Punkt. Menschen, die etwas leisten sollen, müssen ein Gefühl der Geborgenheit verspüren. Sie müssen sich in ihrem sozialen und ästhetischen Umfeld wohlfühlen.. Zum Lernen gehört Entspannung, nichts darf ablenken und irritieren, damit der Lernprozess nicht unterbrochen wird. Ruth Cohen postuliert nach der bekannten TZI (Themenzentrierte Interaktion): „Störungen haben Vorrang“ und meint damit, dass Störungen den Lernprozess nicht nur unterbrechen sondern so lange verhindern, bis diese Störungen beseitigt sind.


Was bedeutet Wohlbefinden?

A allgemeine materielle Bedingungen

  • Architektur und Gestaltung des Umfelded
  • Ästhetik und Design
  • Hygiene und Sauberkeit
  • Baubiologische Aspekte
  • Ergonomie
  • Lichtgestaltung
  • Akustik
  • Geruchsqualität
  • Lärm / Ruhe 
  • Raumklima 
  • Farbkonzept 
  • Qualität der Umgebung


B individuell persönliche Bedingungen

  • Qualität der Ernährung
  • Qualität des Zimmers 
  • Wellness- und Freizeit-Einrichtungen


C Sozialhygienische Bedingungen

  • Emotionale und soziale Kompetenz der Hotelmitarbeiter
  • Uneingeschränktes Wohlwollen des Personals gegenüber den Kunden 
  • Freundliches, herzliches und hilfsbereites Hotelpersonal

D Service-Qualität

  • Nutzenorientierte Service-Leistungen, die die Arbeit des Trainers erleichtern und den Aufenthalt aller Lernbeteiligten angenehm und störungsfrei gestalten. Exzellenter Service befördert den Lernprozess und damit das Erreichen des Lernziels.

 

 
Alle diese Bedingungen, überprüft man sie genau, gelten mit Einschränkungen und strukturellen Umformulierungen auch für jedes Business-, Ferien- oder Bankett-Hotel. Keine Frage, diese Kriterien sind die fundamentalen Kern-Bedingungen und -Kompetenzen, ohne diese Voraussetzungen sind Kundenbedürfnisse nicht zu erfüllen.

Alle diese Bedingungen, überprüft man sie genau, gelten mit Einschränkungen und strukturellen Umformulierungen auch für jedes Business-, Ferien- oder Bankett-Hotel. Keine Frage, diese Kriterien sind die fundamentalen Kern-Bedingungen und -Kompetenzen, ohne diese Voraussetzungen sind Kundenbedürfnisse nicht zu erfüllen.

Wenn es aber um die spezifischen Leistungsmerkmale von Exzellenten Tagungshotels geht, muss sich der Anforderungskatalog erweitern und dem Bedürfnisniveau der Weiterbildungsverantwortlichen anpassen.

Exakt meine ich damit:

  • Die Qualität der Lernumfeldbedingungen (indoor und outdoor)
  • Die spezielle Fachkompetenz des Personals 
  • Das Servicestrategie-Konzept für Weiterbildner 
  • Damit schließt sich der Kreis aller Voraussetzungen und Leistungsmerkmale für ein Exzellentes Tagungshotel.


Quelle: Essay: Ein Wahrnehmungsfest zur Reaktivierung
der menschlichen Sinne, m & s 6 / 92

Autor: Rudi Neuland